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Die Bonner Food-Szene

Willkommen beim #bonnisst Blog

Jan / 2018 by
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Willkommen beim #bonnisst Blog

Das Thema „Essen & Ernährung“ ist eines der spannendsten unserer Zeit. Über kaum etwas wird so leidenschaftlich diskutiert wie unterschiedliche Ernährungsweisen, Produktionsbedingungen und Anbauweise, die Herkunft von Lebensmitteln, neue Trends, ökologische sowie gesundheitliche Folgen. Da es sich dabei um ein Grundbedürfnis des Menschen handelt, hat jeder Mensch eine eigene Meinung dazu, kauft anders ein, ernährt sich auf unterschiedliche Art und Weise und ist von den verschiedensten Blickwinkeln geprägt. Durch die hohe Relevanz, stetige Aktualität und die Zugänglichkeit des Themas hat sich zudem ein tief spezifizierter und gleichzeitig sehr breiter Umfang an Akteuren in diesem Bereich entwickelt, die das Themengebiet auf die vielfältigste Art und Weise prägen. All die Begriffe und Assoziationen, die bei dem Thema „Essen & Ernährung“ eingefangen werden können, lassen sich grob in die Kategorien „Probleme“, „Einkaufen“ und „Essen leben“ einordnen. Dabei ist jedoch unbedingt festzuhalten, dass es immer wieder zu Überschneidungen kommt und jeder Begriff mit anderen Aspekten mehr oder weniger eng verknüpft ist.

Die Probleme im Bereich „Lebensmittel & Ernährung“ sind vielseitig und in den Medien nahezu omnipräsent. Während einerseits Forscher und andere Ernährungsexperten um die optimale gesunde Ernährung streiten und zu jedem Ernährungstrend gesundheitliche Vor- und Nachteile ausgetauscht werden können, machen auf der anderen Seite Ärzte und Wissenschaftlicher immer wieder auf Krankheiten wie Adipositas oder Diabetes aufmerksam, da die Zahl der Betroffenen aufgrund ihrer unausgewogenen Ernährung stetig zunimmt. Zudem wird immer deutlicher, dass der auf Wachstum, Vielfalt, Masse und günstige Preise konzentrierte Konsum der letzten Jahrzehnte schwere ökologische Folgen mit sich bringt, die heute immer stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung, Wirtschaft und Politik gerufen werden. Dazu gehören: Schadstoffe in Böden und Antibiotikamissbrauch bei Tieren. Zudem die Massentierhaltung und quälende Schlachtmethoden. Pestizide wie z.B. Glyphosat sind nicht nur krebserregend, sondern richten erheblichen Schaden für die Biodiversität an. Obwohl Wissenschaftlern das Thema bereits seit langen am Herzen liegt, drang die Problematik ‚Insektensterben‘ erst in der letzten Zeit in die Öffentlichkeit durch. Die konventionellen Produktionsbedingungen sind nicht nur Ursache für Schäden in der Biodiversität, sondern emittieren in hohem Umfang das klimaschädliche Treibhausgas CO2. CO2 ist im Bereich „Ernährung“ außerdem von hoher Relevanz, da viele Produkte aus den entlegensten Ländern dieser Welt importiert werden (meist via Flugzeug), um über das ganze Jahr hinweg in den Supermärkten verfügbar zu sein. Darüber hinaus ist in vielen Produkten das vermeintlich günstige Palmfett enthalten, wofür jedoch in Ländern wie Indonesien Hektarweise Regenwald abgebrannt wird. Dies entlädt nicht nur Unmengen schädlicher Treibhausgase in die Atmosphäre, sondern nimmt Tieren wie den Borneo-Schimpansen ihren natürlichen Lebensraum. Insgesamt laufen viele Fäden in der Lebensmittelindustrie am Ende bei einigen wenigen Großkonzernen zusammen. Diese drücken dann den Preis – wodurch nicht nur die ArbeiterInnen unter schlechten Bedingungen arbeiten müssen, sondern auch in Importländern wie z.B. Deutschland kleine Händler und Produzenten dem Preisdruck kaum bis gar nicht standhalten können.

Ein Blick in die Weltmeere zeigt ein weiteres Problem, dass sich – nicht nur, aber auch – in der Lebensmittelindustrie ergibt: Plastikmüll. Abgesehen von den ökologischen Schäden landet dieser im Endeffekt durch Fische etc. wieder auf dem menschlichen Teller. Bei dem Thema ‚unnötige Plastikverpackungen‘ fällt jedem etwas ein, ob eingeschweißte Bio-Gurken, Kinderbuenos usw. Der Konsument wird in klassischen Supermärkten immer noch an vielen Stellen dazu verleitet, sein Obst und Gemüse in kleine Plasiktütchen zu verpacken. Auch dass in vielen Supermärkten an der Kasse immer noch weitere Plastiktüten zum Transport erhältlich sind, trägt dazu bei, dass bequeme Kunden trotz 10 ct Gebühr ihre Einkäufe in Einwegtüten heimtragen. Wie der Kunde seine Lebensmittel einpackt, ist in der Verpackungskette auch lediglich der letzte Schritt. Bei den Lieferungen von den Großmärkten, zu den Großmäkten, etc.  ist immer noch einiges an Plastikverpackungen zum Schutz der Produkte im Spiel. Wirklich angegangen wird dieses Problem momentan hauptsächlich von No Waste-Läden, die ihre Lieferkettten konsequent auf Eliminierung von Verpackungsmüll hin optimieren, sich damit allerdings nur in einer Nische befinden.

Obwohl viele der Probleme in der Lebensmittelerzeugung und -produktion entstehen, ist ein wesentlicher Hebel der Verursachung und Bekämpfung dieser Probleme das tägliche Einkaufsverhalten der Konsumenten, die mit ihren Kaufentscheidungen und ihrer Nachfrage das Angebot zu großen Teil mit verantworten. Der Anspruch, Lebensmittel zu gesund und hochwertig, aber gleichzeitig so günstig wie möglich zu erwerben, spiegelt die Schizophrenie der Lebensmittelindustrie wieder. Obwohl sich niemand bewusst für Massentierhaltung oder Regenwaldrodung ausspricht, kann sich auf der anderen Seite ein Großteil der Bevölkerung nicht von Fleischkonsum lossagen. Dabei ist die Auswahl an Einkaufsmöglichkeiten zumindest in Städten und ihrem Umkreis ziemlich groß. Allein in den Standard-Supermarktketten (ob Discounter oder nicht) kann der Kunde bereits zwischen Bio und Konventionell, regional oder Flugware entscheiden. Daneben gibt es in den meisten Städten bereits mehrere Bio-Supermarktketten wie Alnatura, Basic oder Denn’s Biomarkt. Dagegen treten die kleinen inhabergeführten Geschäfte wie kleine Gemüseläden, Bäckereien und Metzer in Konkurrenz. Ihnen fällt es immer schwerer, dem immensen Preisdruck standzuhalten, der durch die großen Ketten ausgeübt wird. Auch Bauernhöfe im Umland bieten mit kleinen Hofläden oft die Gelegenheit, die Ware unmittelbar vom Erzeuger zu erwerben und sich so ggfls. mit ihm dabei auszutauschen. Überall in Deutschland gibt es mindestens einen, meistens jedoch mehrere Märkte, wie klassische Wochenmärkte, Bio-Märkte oder anders spezialisierte Märkte. Während der Konsument also eigentlich möglichst regional, bio und gesund essen möchte, verliert er sich oft in der Vielzahl an Möglichkeiten. Beobachtet man jedoch das tatsächliche Ess- und Kaufverhalten, geht es vor allem um Bequemlichkeit und Schnelligkeit. Obwohl es all die verschiedenen Möglichkeiten gibt, bringt kaum jemand die Mühe auf, die einzelnen Händler einzeln zu besuchen und sich seine Lebensmittel so „zusammenzusuchen“. Das erklärt, warum auch die Digitalisierung Einzug in die Lebensmittelbranche hält und das Angebot an Lebensmitteln, die über das Internet zu kaufen sind, stetig wächst. Nicht nur, dass Lebensmittelhändler wie Rewe ihre Lebensmittel zu den Kunden nach Hause liefern, auch Internet-Giganten wie Amazon versuchen, den Markt für sich zu gewinnen. Dazu gibt es eine Vielzahl an kleinen Anbietern und Start-Ups, die zum Beispiel mit Bio-Gemüsekiste mit gerettetem Uggly Food vertreiben. In all dem Dschungel an unterschiedlichen Vertriebsmöglichkeiten trifft der Kunde zudem auf die verschiedensten Siegel und Zertifizierungen, die z.B. die Bio-Qualität oder den Schutz der Fischbestände ausweisen sollen. Allerdings führen die Symbole und Logos vor allem dazu, dass sich der Konsument, wenn er sich nicht in das Thema eingearbeitet hat, oft nicht mehr durchblicken kann, was sich hinter den Zertifikaten verbirgt und ob die Lebensmittel dadurch wirklich besser sind als andere. Nicht zu unterschätzen ist auch die finanzielle Hürde, die den im europäischen Vergleich besonders sparsamen Deutschen davon abhält, für Bio-Produkte mehr Geld auszugeben als für konventionelle. Ein Lösungsvorschlag ist hier eine Art ‚Öko-Paypack‘ (z.B. Wertewandel), wodurch der Kunde mit finanziellen Anreizen dazu motiviert werden kann, verstärkt auf nachhaltige Produkte zurückzugreifen.

 

Neben den zugrundeliegenden Problemen und den diversen Einkaufsmöglichkeiten soll nun der Bereich „Essen (er)leben“ erläutert werden. Dazu gehören die vielen Cafés und Restaurants, die es vor allem in Großstädten gibt und in denen man viele internationale Küchen und verschiedene Gerichte kennenlernen kann. Auch Food (Truck) Festivals werden immer populärer und bringen die Menschen beim Essen zusammen. In vielen Städten gibt es viele Veranstaltungen, Workshops und diverse Dienstleister, die in diesem Bereich tätig sind. Einige Universitäten und Hochschulen bieten Studiengänge wie Oekotrophologie oder Ernährungswissenschaften an, die sich mit dem Thema beschäftigen. Dazu gibt es immer noch bzw. immer wieder eine große Vielzahl an Leuten, die gerne selbst kochen – ob allein oder in einer Gruppe – und sich daher intensiv mit dem Thema auseinandersetzen. Immer wieder kommen neue Trends wie Low Fat, Low Carb oder paleo auf. Außerdem steigt die Zahl der Menschen, die auch Fleisch und / oder sämtliche Tierprodukte verzichten.

 

All diese Ausführungen zeigen auf, wie tief das Grundbedürfnis „Essen / Ernährung“ in unserer Gesellschaft verwurzelt ist und was für Assoziationen und Hintergründe damit verbunden sind. Hinter jedem Teilaspekt und Detaillierungsgrad stehen eine Kette von Akteuren und es gibt keinen Bereich, der nicht mit mindestens einem anderen eng verknüpft ist.

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Jan / 2018 by Jennifer
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1 Comments

Ein WordPress-Kommentator
Januar / 2018 at 11.01

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Jan / 2018 by Jennifer
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